15 Jahre – 13 Jahre Diabetes – ich bin gefeuert

Erwachsen werden mit Diabetes

ich bin raus. Meine Tochter ist 15. Wir haben zusammen über 13 Jahre Diabetes hinter uns. Jetzt geht sie ihren Weg allein. Sie weiß fast alles, was nicht heißt, dass alles optimal läuft. Aber es läuft. Wermutstropfen dabei: ich erfahre fast nichts mehr. Ich werde zum Zuschauer, manchmal denke ich, sie muschelt mit ihrem Blutzucker nur so vor sich hin. Aber das denke ich wohl, weil ich keinen Einblick mehr habe. Pubertät bedeutet (vor allem für die Alten) Loslassen. Und dann neu Anfangen.

Ich würde mir wünschen, dass wir wenigstens einmal die Woche die Werte besprechen. Aber da habe ich keine Chance. Mittlerweile werden die Lebensbereiche meiner Töchter, in denen mir der Einblick verwehrt ist, mehr. Das ist richtig so. Die Pubertät ist ein langer Abschied. Die Kinder, sind nicht mehr die Kleinen, die ich jahrelang gehütet habe. Die romantische Zeit des Muttersein ist definitiv zu Ende (vieles ist sowieso nur in der Erinnerung romantisch).

Wie schön, dass mich keiner mehr braucht

Ich muss hinnehmen, dass ich überflüssig werde, nicht komplett, aber das Endziel ist klar. Die Kinder sollen ohne mich leben können. Wenn man seinen Eltern-Job einigermaßen gut gemacht hat, dann hegt der Nachwuchs auch während und nach der Pubertät noch Sympathien für die alten Eltern. Aber als Erziehende werde ich nicht mehr „gewünscht“. Klar kommt es zu Konflikten, wenn ich meinen Rohdiamanten ab und an noch etwas nachschleifen möchte. Typische Teenager-Essgewohnheiten, wie „Ich habe morgens keinen Hunger“, dafür am Abend um so mehr, bringen mich auf die Palme, aber das unterdrücke ich mir lieber. Meine Belehrungen, mit leeren Magen könne man nicht lernen, interessieren sowieso niemanden mehr. Also lass ich sie machen.

Manchmal frag ich mich, ob ich nicht hartnäckiger sein sollte. Aber dann verwerfe ich den Plan gleich wieder. Vor 13,5 Jahren habe ich ich immer gefragt, wann „es“ vorbei ist. Kann sein, dass es jetzt so ist.

Diabetes mit 15

  • Meine Tochter kann eigene Entscheidung über ihre Therapie fällen.
  • Die Risiken einer Ketoazidose sind ihr bekannt.
  • Sie kann mit Über- und Unterzuckerungen umgehen.
  • Sie kann ihre Therapie allein gestalten und ärztliche Vorschläge selbstständig umsetzen, klappt zwar nicht immer, aber auch bei Erwachsenen ist der Geist willig, das Fleisch gelegentlich schwach.
  • Die Diabetesschublade ist piccobello aufgeräumt.

Aber das ist kein Maßstab, jeder hat seine Problemlagen, Möglichkeiten und Hindernisse. Der beste Berater ist der Diabetologe. Aber ein Tipp, bevor eure süßen Kids sich in der Pubertät total verselbständigen, legt euch Rituale zu, bei denen ihr, wenn auch nur kurz, die Werte, der Woche, bzw. des Tages besprecht. Ich habe das wohl verpasst.

Eine Antwort auf „15 Jahre – 13 Jahre Diabetes – ich bin gefeuert“

  1. Meine Tochter ist auch 15. Wir sind “erst” 3 Jahre dabei; trotzdem hab ich mir oft gewünscht oder sie ermahnt, dass sie selbstständiger sein soll. Dass es ihr Körper, Gesundheit, Leben ist. Und jetzt auf einmal macht sie es – und ich vermisse einbezogen zu werden. Loslassen, das muss ich jetzt. Fragen ohne zu nerven. Begleiten ohne zu kontrollieren. Schwierig manchmal, aber eigentlich auch gut. Ich werde überflüssig. Und der Kontrollfreak in mir „vergisst“ sein Kind oft stundenlang. Endlich. Toll!

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