Zäher Weg zur Diabetes-Reha

Rehaantrag – Scheitern als Chance

Schon seit Jahren wünsche ich mir, dass meine Tochter eine Reha macht. Auch weil sie keine Lust auf Schulungen in der Klinik hat. Wir hatten schon einmal eine gemeinsame in Angriff genommen, während der Grundschulzeit. Ich hatte mich echt gefreut, als diese bewilligt wurde. Endlich hatte ich das mit dem Rehaantrag auf die Kette bekommen. Leider kam unsere Reha nicht zustande. Widrige Umstände hielten uns davon ab.

Die widrigen Umstände waren vor allem in meiner damaligen Berufstätigkeit als TV-Schaffende zu finden. Meine Kinder waren in der zweiten Klasse und die Reha war seit längerem eingeplant. Dann musste ich kurzfristig den Arbeitgeber wechseln. Der Vertrag war nicht so lang, „Wenn du auf Reha fährt, können wir den Vertrag leider nicht für 6 Monate verlängern!“, so meine damalige Vorgesetzte. Ich war baff, der Verdienstausfall wäre ja nicht mal auf Kosten des Arbeitgebers gegangen. Aber meine Chefin blieb hart. Reha oder 6 Monate Arbeitsvertrag. Ich muß nicht erwähnen, dass die Dame kinderlos war.

Uff. Ich wäre dann bis zur Reha 2 Monate arbeitslos, nach der Reha hätte ich neu suchen müssen, vielleicht monatelang, das wollte ich nicht riskieren.

Zu früh aufgegeben

Mir blieb damals, so glaubte ich, nichts anderes übrig, als die Reha abzusagen. Joblos wollte ich nicht sein, und die Rentenversicherung lehnte eine Verschiebung der Reha außerhalb der festgelegten Frist ab. Ich habe damals, überlastet wie ich als alleinerziehende, arbeitende Mutter war, klein beigeben und diese Entscheidung der Versicherung akzeptiert.

Reha – zweiter Versuch

Dieses Frühjahr überraschte mich meine 14-jährige Tochter damit, dass sie Lust hätte, zur Reha zu fahren. Auch allein. Ich war erstaunt, dass mein Vorschlag so gut ankam. Schulungen und Rehas waren lange nicht angesagt. Auch die Diabetologin befürwortete diese Idee. Ich freute mich, dass mein Kind dann vielleicht bald in ungezwungener, Eltern-freier Atmosphäre gleichaltrige Diabetiker kennenlernen kann. Dann die Schulungen, klar, das wünscht man sich als Mutter genauso, wie den weiteren Schritt in ein erwachsenes Leben, den mein Kind dann macht.

Bin nur noch die Assistentin

Eigentlich bin ich aus dem Diabetesmanagement weitestgehend raus. Ich mach noch die Arzttermin, kümmere mich um die Bestellung der Hilfsmittel, fülle die Ampullen auf und stehe in Krisensituation Gewehr bei Fuß, äh, Hand bei Messgerät. Und klar, ich kümmere mich ums Organisatorische. So auch um die Beantragung einer Reha.

Wunschklinik Sylt

Wir kamen gar nicht darauf, meine Tochter für eine andere Klinik als Sylt zu bewerben und teilten diesen Wunsch der Rentenversicherung mit. Vielleicht ein Fehler, das gleich anzufragen, aber diese Klinik gefiel uns. Und ich war ja einfach froh, dass meine Tochter endlich zur Reha wollte. Niemals hätte ich gedacht, dass es ein Problem werden kann, dort zugeteilt zu werden.

Wunsch- und Wahlrecht

Aber es kommt immer alles anders als man denkt. Ich stellte den Antrag im Juli und wurde dann im August von einer netten Mitarbeiterin der Klinik Bad Kösen telefonisch mit der Nachricht überrascht, dass meine Tochter schon im Herbst dort ihre Reha antreten kann. Bad Kösen war aber nicht die Wahlklinik. „Da will ich nicht hin!“ Mein Kind war nicht angetan, freundlich ausgedrückt. Und ich war wenig begeistert, dass es immer alles so kompliziert sein muss.

Warum auch immer, die Rentenversicherung so entschied, ich hielt es für ein Missverständnis und erhob Widerspruch.

Zweiter Widerspruch

Aber auch nun wurde uns die Wahlklinik nicht gewährt. Jetzt wurden uns zwei weitere Kliniken vorgeschlagen, die uns vom Konzept her nicht ansprachen. Ich kam mir vor, wie jemand, der mit einem unberechenbaren Orakel kommunizieren muss. Hatte ich nicht ausführlich erklärt, dass wir uns für Sylt entschieden haben. Als Versicherter hat man Wunsch- und Wahlrecht. Ich legte erneut Widerspruch ein und ich begründete unsere Wahl ausführlich.

Dieser zweite Widerspruch war dann erfolgreich. Was die Rentenversicherung bewog, ihre Meinung zu ändern, weiß ich nicht. Warum unsere Wahl zunächst zweimal abgelehnt wurde, werde ich wohl nicht erfahren.

Mein Tipp:

  • Setzt euch vor der Beantragung mit eurer Wunschklinik in Verbindung, so könnt ihr z.B. erfahren, wann überhaupt die nächsten Durchgänge geplant sind.
  • Ihr habt Wahlrecht. Deswegen wagt es ruhig, der Rentenversicherung zu widersprechen. Auch ein zweiter Widerspruch ist vollkommen in Ordnung.
  • Euer Kind muss sich in der Klinik wohl fühlen, deswegen sollten die Wünsche des Jugendlichen berücksichtigt werden.
  • Holt euch einen ärztlichen Befund (das Formular könnt ihr wie die anderen Formlare auf der Website der Rentenversicherung abrufen) sowohl vom Kinderarzt als auch vom Diabetologen ein. Bei uns wurde trotz Vorliegen des Befunds vom Kinderarzt, der Befundbericht vom Diabetologen nachgefordert, obwohl mir von den Klinik-Diabetologen zunächst erklärt wurde, dass nur der niedergelassene Arzt diesen Befundbericht ausfüllen kann. Also nicht locker lassen.

Meine Tochter freut sich schon richtig auf die Reha, sie ist stolz, dass sie dann vier Wochen ohne ihre Familie unterwegs sein wird. Und auch wenn unsere Wahl Sylt war. Natürlich haben die anderen Reha-Kliniken sicher auch ihre Stärken. Das ist einfach eine ganz individuelle Entscheidung, die jeder für sich, in Rücksprache mit dem Diabetologen, treffen muss.

Einige Rehakliniken, die Rehas für junge Diabetiker anbieten:

3 Antworten auf „Zäher Weg zur Diabetes-Reha“

  1. Ich kann nur bestätigen, es lohnt sich im eine solche Reha zu kämpfen. Meine Tochter bekam Dia mit 12, mitten in der Pubertät, und ging bald in Totalverweigerung. Da wir in Spanien leben waren alle Schulungen und Arztbesuche auf Spanisch, da kam keiner an sie ran, und spanische betroffene Kinder wollte sie auch nicht kennenlernen. Von der Kasse bekam ich erstmal negativen Bescheid mit dem Argument wir wären doch vor Ort auch gut versorgt. Also musste ich auch Widerspruch einlegen und einiges nachreichen bis wir schließlich die Reha in unserer Wunschklinik Gaissach in Bad Tölz genehmigt bekamen. Ich hatte die Klinik vorab kontaktiert und mir den Platz beim nächsten Termin für Jugendliche Diabetiker für sie zunächst als selbstzahlender Privatpatient gesichert und dann letztlich den Kampf erst im Nachhinein beendet und gewonnen. Aber das war es wert, denn endlich hat sie andere Betroffene kennengelernt, tolle Schulungen bei wirklich engagierten Personal mitgemacht und kam nicht zuletzt auch durch die psychologische Betreuung mit einer anderen Einstellung zu ihrem neuen Leben wieder nach Hause. Was im übrigen alles auch für mich gilt, ich war auf Wunsch meiner Tochter als Begleitung dabei.

  2. Ich kann nur bestätigen, es lohnt sich im eine solche Reha zu kämpfen. Meine Tochter bekam Dia mit 12, mitten in der Pubertät, und ging bald in Totalverweigerung. Da wir in Spanien leben waren alle Schulungen und Arztbesuche auf Spanisch, da kam keiner an sie ran, und spanische betroffene Kinder wollte sie auch nicht kennenlernen. Von der Kasse bekam ich erstmal negativen Bescheid mit dem Argument wir wären doch vor Ort auch gut versorgt. Also musste ich auch Widerspruch einlegen und einiges nachreichen bis wir schließlich die Reha Genehmigt bekamen. Ich hatte unsere Wunschklinik Gaissach in Bad Tölz vorab kontaktiert um ihr einen Platz im nächsten Termin für Jugendliche Diabetiker als selbstzahlender Privatpatient zu reservieren, und habe letztlich den Kampf auch erst im Nachhinein beendet und gewonnen. Aber das war es wert, denn in meine Tochter konnte andere Betroffene Kinder kennenlernen, hatte tolle Schulungen bei engagiertem Personal und kam letztlich auch durch die psychologische Betreuung mit einer anderen Einstellung zu ihrem neuen Leben zurück nach Hause. Was im übrigen auch für mich gilt denn ich war auf Wunsch meiner Tochter als Begleitung dabei.

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