Wieviel Teststreifen braucht das Kind?

Die Teststreifen-Bestellerin

„BZ ?“, „117! Hab grad gemessen, wann gibts Essen?“ Meine Tochter ist  jetzt 12 Jahre alt. Noch ein paar Monate, und sie ist ein richtiger Teenager.  Mittlerweile hat sie das Diabetes-Management von mir abgekoppelt.  Ich bin in keinster Weise mehr ihre „Führungskraft“.  Wenn sie nachts aufwacht, misst sie oft auch noch einmal nach. Ein Job, den ich auch nicht vermisse. Es ist nun eher so, dass ich nachsetzen muss, um überhaupt etwas zu erfahren, oder zu wissen, wieviel sie zu welcher Mahlzeit bolt oder welchen Wert sie aktuell hat. Nur, wenn es total schief geht, meldet sie sich noch. Und das Bestellmanagement ist noch mein Job, damit die Teststreifen nie ausgehen.

Gewohnheiten und Teststreifen

Deswegen merke ich nicht sofort jeden Wechsel von Gewohnheiten. Leider pausiert unsere Exkursion zum Dexcom wegen einer hartnäckigen Pflasterunverträglichkeit vorläufig. Meine Tochter fand die vielen Blutzuckerwerte toll. Das gab ihr Sicherheit. Aus diesem Grund misst sie momentan ziemlich häufig blutig. Sie will sicher sein, wo ihr Wert liegt. Zack – da waren die Teststreifen für das aktuelle Quartal alle.

Bis jetzt hatte ich noch nie Probleme, die ausreichende Menge Teststreifen zu erhalten. Aber eine im Krankenhaus beschäftigte Bekannte berichtete mir letztens von einer irritierenden Information. Laut ihrer Aussage hat die Kassenärztliche Vereinigung eine Empfehlung ausgesprochen, an die sich die Kassen und Apotheker jetzt orientieren. Jedem Diabetiker Typ 1 stehen allerhöchstens 600 Teststreifen im Monat zu. Stehen mehr Teststreifen auf einem Rezept, werden diese von einigen Apotheken nicht herausgegeben, da die Kasse diese nicht erstatten würde.

Wieviele  Teststreifen für wenn

Über die Menge der Teststreifen, die einem Diabetes-Patienten zusteht, habe ich viele unterschiedliche Fakten zu hören bekommen. Eine Quelle gibt an, dass es keine gesetzlich vorgeschriebene Höchstgrenze gibt, wieviel Teststreifen ein Typ 1 Diabetiker verbrauchen darf. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein erklärt , keinen direkten Einfluss auf die Rezeptierung von Hilfsmitteln bzw. Teststreifen zu nehmen, die übrigens nicht zu“m Bereich Hilfsmittel gehören. Aber indirekt wird laut Patienteninfo doch ein Richtwert von 600 Teststreifen empfohlen.

Nicht jeder Diabetes ist Gleich

Das Quartal hat 90 Tage, misst man 7 – mal täglich, was ich für einen kleinen Menschen nicht übermäßig finde ( morgens, vormittags, mittags,  nachmittags, Abendessen, vorm Schlafen, nachts), braucht man mindestens 12,5 Packungen Teststreifen im Quartal. Mindestens. Unglückliche Situationen wie Grippe, Scharlach, Brechdurchfall, Geburtstagsparties mit verfressene Entgleisungen etc. sind in diese Menge nicht eingerechnet. Bei 2-Jährigen sind bis zu 13 Infekte im Jahr als normal anzusehen. Das sind ja schon mindestens 30 Tage mit brodelnden Keimen, die den Blutzucker aus dem Lot bringen kann. Und Blutzuckerschwankungen durch Wachstum und Hormonschübe oder die ersten Schritte in ein von den Eltern unabhängiges Blutzuckermanagement erfordern auch mal mehr als 600 Teststreifen im Quartal.  In den Empfehlungen der kassenärztlichen Vereinigung lese ich davon nichts. Die Entscheidung über Teststreifenverordnung trifft, so die KV,  unter Beachtung des jeweiligen medizinischen Einzelfalles, die/der behandelnde Ärztin/ Arzt. Das hört sich ja gut an. Aber warum lehnen dann einige Apotheker die Herausgabe von Rezepten mit mehr als 600 Teststreifen ab, mit dem Hinweis auf die Kassen, die soviel Teststreifen nicht erstatten?

Neue Regelungen für Apotheker verwundert mich

Bei meinen Recherchen zum Thema Teststreifen-Menge bin ich auf eine weitere sonderbare Regelung gestossen, die Apotheker betrifft. Sie bekommen von den Kassen Boni ausgezahlt, wenn Sie einen Diabetiker zum Wechsel auf ein günstigeres Teststreifensystem motivieren.

55 % der Teststreifen, die eine Apotheke abgibt, müßten zur Gruppe B, zur günstigeren Gruppe, gehören. Wird dies nicht eingehalten, müßten die Apotheker einen Malus in Kauf nehmen. Wenn günstigen Teststreifen verkauft werden, erhält der Apotheker einen Bonus.

Im folgenden  die Links zu den Artikel über diese Malus/Bonus-Regelung:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/12/19/bei-blutzuckerteststreifen-soll-2018-fuer-apotheken-alles-besser-werden

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apo-tipp/neue-teststreifenvertraege-2018-ersatzkassen/

Alle Diabetikerin Deutschland verbrauchen zusammen jeden Tag rund 3 Millionen Teststreifen. Das schlägt mit  1,2 und 2,4 Millionen Euro den Kassen ganz schön  ins Kontor. Wird  also über  die Apotheken versucht, die Menge der Teststreifen zu begrenzen? Gern würde ich eure Erfahrungen mit Teststreifen und Rezepten hören.

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