Was man als Diabetiker(-Mutter) lernen sollte!

Karneval

Köln ohne Karneval. Ginge gar nicht. So wie Diabetes halt nicht ohne Über- oder Unterzucker zu denken ist. Aber Kamelleregen und Diabetes, wie geht man in der jecken Jahreszeit mit einem Dia-Kind, beziehungsweise mit dem Berg von Süßkram um, den die Kinder mit nach Hause bringen? Aber das ist für mich nur die kleinste Sorge. Denn eigentlich hatte ich zur Karnevalszeit in manchen Jahren ziemlich dunkle Momente. Und was haben Diabetes und Hilfe miteinander zu tun?

Am Aschermittwoch fing alles an

Ausgerechnet am Aschermittwoch erfuhren wir vor 11 Jahren von Livs Diabetesdiagnose. Fünf Jahre später waren wir über die Karnevalstage zur Pumpenschulung in die Kinderklinik eingewiesen. Für Kölner Pänz (Kölsch für Kinder) ist es natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, nicht zu einen der Züge gehen zu dürfen. Aber meine Tochter fügte sich, erlöste die Pumpe sie doch von der bisherigen Therapie, eigentlich was positives, aber trotzdem hängt während des Karnevals meist ein grauer Schleier über meinem Gemüt.

Grafftis und Diabetes
Wenn einem richtig schlecht ist, will man einfach nur nach Hause!

Auch weil ich mich vor den Wellen von Grippe- und Magen-Darm-Infekten, die durchs Land rollen, grause. Schon Wochen vorher fange ich an, meine Hände besonders gut zu waschen und dränge meine Mädels dies auch zu tun. Bloß nicht krank werden. Brechdurchfall ist aus meine Erfahrung die unerfreulichste Erkrankung bei Diabetes.

Noro-Virus und Diabetes

Um Karneval ereilten uns in den letzten Jahren bereits mehrmals  Magen-Darm-Infektionen, und auch dieses Jahr streckte uns drei kurz vor Karneval der Norovirus so danieder, dass meine Tochter froh wa  ins Krankenhaus zu dürfen. Sonst ist ein Krankenhausbesuch ja eher ein Albtraum. Ihre Werte waren entgleist, sie konnte nichts trinken, erbrach alles und hatte Ketone. Nach drei Tagen durfte sie heim, sehr viel versöhnter mit der Institution Klinik.

Wohin mit den Kamellen

Auch in Jahren ohne gesundheitlichen Einbrüche, der Karneval mit seinen Bergen von Süßkram ist für eine Zuckermutter eine Herausforderung. Wohin mit den ganzen KE-reichen Verführungen? Eigentlich will ich  das Zeug nur loswerden. Meine Lösung war es bisher immer, nach und nach die Kamellen im Schrank und später im Mülleimer verschwinden zulassen.

Der Blick nach vorn-diabetes macht uns klüger

Während ich als Zuckermutter im Karnalvalsgetümmel nur einen Ansteckungsort für Krankheiten sehe und schon beim ersten Umzug überlege, wohin die Süßigkeiten dieses Jahr verschwinden sollen, waren meine Kids dieses Jahr trotz allem richtig gut drauf. Dass sie in den Tagen zuvor beide krank waren, Schwamm drüber. Sie schauen nicht auf unerfreulichen# Stunden zurück, sondern blicken nach vorn und freuen sich auf die Umzüge, die gute Stimmung, die Freude am Verkleiden. Alles super. Schlechtes wird schnell vergessen. Von diesem Blick nach vorn kann ich mir als zweifelnde Erwachsene was abschneiden.

Nur wer sich ändert, bleibt sich treu

Nach dem Noroinfekt trieben uns erneut „unerklärbare“ Blutzuckererhöhungen vor uns her. In letzter Zeit hatten wir öfters Blutzuckeranstiege, die nicht zu nach zu voll ziehen waren.

Erst vermutete ich Fehler beim Berechnen,  vergessene Boli oder heimliches Essen. Aber dann, in einer echt grässlichen Nacht, fanden wir die Lösung. Nach 2 Jahren Katheter-nur-am-Bauch ist das Gewebe so strapaziert, dass es bei meiner Tochter viele Stellen geben muss, wo gar nichts mehr durchkommt.

Ich habe das nie glauben können, aber nachdem wir in dieser Nacht mit gigantisch hohen Werten den Katheter wieder nach „hinten“an den unteren Rücken verlegt haben, läuft es wieder. Jetzt muss der Katheter also dahin, wo Liv ihn noch nicht selbst legen kann. Sie war so stolz auf ihre Fähigkeit, sich kathetermäßig selbst zu versorgen. En echter Rückschag für ihre Entwicklung zur Selbstständigkeit, dachte ich.  Ich versuche sie zu trösten: „Nur ein paar Wochen oder Monate, vielleicht heilen die Lipome am Bauch ja schnell ab, dann kannst du auf meine Hilfe wieder verzichten.“

Diabetes und Hilfe

Aber meine Tochter ist schon wieder weiser als ich. „Ach Mama, ich muss in meiner Situation lernen, auch mal Hilfe anzunehmen!“. Ein Satz wie ein Monument. Von einer 12-Jährigen. Vielleicht muss ich auch lernen Hilfe anzunehmen. Diabetes und Hilfe annehmen, gehört zusammen. Eigentlich eine gute Idee. Hilfe annehmen können, das sollten eigentlich alle lernen.

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