Das Leben kann gut sein!

Gedanken nach den großen Ferien

Sommer ist Ferienzeit. Kinderglück im Sonnenlicht. Wir konnten Urlaub machen, wie immer an der Nordsee. Die Kinder hatten Spaß. Auch die schwankenden Werte, weil der andere Tagesablauf, geschätztes Restaurant Essen, und häufiges Eis Naschen den Blutzucker ganz schön durcheinander wirbeln kann, haben wir überlebt. Urlaub vom Diabetes gibt es leider nicht. Er ist immer da und wir müssen die Ferien um ihn herum organisieren.

Langzeitwert macht Stress

Den Kliniktermin direkt nach dem Urlaub sah ich schon mit Grauen entgegen, ich befürchtete einen Langzeitwert über 8. Umso froher waren wir, dass der HbA1c dann doch nur bei 7,4 lag. Trotz umfänglicher Pannen und unerklärlicher abendlicher Blutzuckeranstiege während der Ferientage. Also wird doch alles gut? Einfach positiv und diszipliniert bleiben, dann geht es schon?

Wie wäre das Leben ohne Diabetes?

Manchmal frage ich mich, was ich anders entschieden hätte, wenn der Diabetes nicht in unser Leben getreten wäre. Ich stell mir ein helleres, leichteres Leben vor. So etwas wie ewig Sommerferien. In Hellblau. Unbeschwert. Frei. Zufriedener. Aber das ist natürlich auch Quatsch. Es ist so leicht die Ursache für jeden Frust, den man hat auf den Diabetes zu schieben. Vielleicht kommen wir drei auch deswegen so gut klar, weil es den Diabetes gibt. Es gibt sowieso keinen Ausweg. Wenn ich von Neu-Betroffenen mitbekomme, wie die Erkrankung sie in ein seelisches Tief stürzt und die Aufgabe wie eine Betonwand vor Ihnen steht, dann will ich ihnen zurufen: Das wird schon, dein Kind schafft das. Aber natürlich ist das auch eine trügerische Zuversicht. Es gibt auch jede Menge junge Menschen, die mit ihrer Erkrankung hadern und denen es schwer fällt, mit ihrem Diabetes klar zu kommen.

Glück gehabt?

Also habe ich mit meiner Tochter doch Glück gehabt? Glück, das andere nicht haben? Fast bin ich froh, dass wir in unserer Familie fast kein Leben ohne Diabetes kennen, dann gibt es wenigstens kein Vergleich zwischen einem „Vorher“ und „Nachher“.

Ist der Diabetes die größte Herausforderung in unserem Alltag. Eigentlich nicht, viel unerfreulicher finde ich gerade die Suche nach einer passenden beruflichen Herausforderung, die sich mit unserer familiären Situation vereinbaren lässt. Also einen Job ohne „Bereitschaft zu Dienstreisen“ oder Wochenendarbeit“. Das Leben kann schön sein. Wird schon alles.

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Eine Antwort auf „Das Leben kann gut sein!“

  1. Grüß Dich … mal wieder. Dein Artikel betrifft wohl alle Zuckerjunkies, die wie ich den Süßkram mitten drin, statt nur dabei, bekommen haben. Wenn man den Diabetes schon von Anfang an bzw. frühe Kindheit hat, ist es für die Ältern erst einmal härter als für den Nachwuchs. Mich hat es damals ebenfalls heruntergezogen. Durch mein positive Einstellung habe ich mich früh damit abgefunden, dass ich diesen Freund nicht loswerden kann aber auch niemals als Feind haben möchte. Seitdem lebe ich mit meinem Zuckerjunkie in einer WG 😉 Ihr seid als Familie in der Zuckerwelt vorbildlich. Zerbrecht Euch daher nicht den Kopf. Perfekt ist sowieso langweilig.

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