Diabetes und Schule

Brief an die GEW in Rheinland-Pfalz bezüglich eines Schreibens der GEW an ihre Mitglieder

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin auf ein Schreiben gestoßen, das aus Ihrem Hause stammen soll. Es geht in dem Brief um das Thema Diabetes und Schule. Ich habe selbst ein Kind mit Diabetes, das in NRW die Schule besucht. Dank moderner Insulintherapien, kann man mit dieser Krankheit ganz gut überleben. Der Diabetes ist eine Belastung, in erster Linie für das Kind, aber auch für die Angehörigen und die Betreuer. Aber es ist machbar. Auch wenn es etwas Arbeit macht. Sie ahnen es vielleicht schon, ich finde Ihr Schreiben unangebracht.

Sie raten, sogenannte fachfremde Tätigkeiten zurückzuweisen. Lehrer haben neben Stoffvermittlung auch erzieherische Aufgaben. Sie sollen die sozialen und kulturellen Lebensbedingungen von Schülerinnen und Schülern kennen und im Rahmen der Schule Einfluss auf deren individuelle Entwicklung nehmen. Bei manchen Kindern gehört es zu ihren sozialen Lebensbedingungen, dass sie sich mit der Erkrankung Diabetes auseinandersetzen müssen.

Sie fordern die Lehrer auf, die Eltern dazu zu bringen, eine Pflegekraft zu bestellen. Sicher kann eine Pflegekraft in die Schule kommen und das Blutzuckermessen und die Insulinabgabe in der Schule überwachen, aber erfahrungsgemäß geht diese Pflegekraft dann wieder. Sie überwacht nicht, ob das Kind sein Brot auf isst. Auch ist sie nicht dabei, wenn das kleine Diabetiker-Kind in der Pause mächtig Fußball kickt und sich vielleicht so dabei verausgabt, dass es im anschließenden Matheunterricht eine kleine Unterzuckerung hat. Dann muss der Schüler ausser der Reihe vielleicht noch mal messen und eine passende Menge Traubenzucker zu sich nehmen. Da ist es schon sinnvoll, wenn ein Erwachsener sich bedingt durch eine Schulung auskennt, und den Zusammenhang zwischen Blutzucker, Kohlenhydraten und Insulin versteht. Pflegekräfte sind übrigens für eine Diabetes-Kind nicht so leicht zu finden, es gibt nämlich nicht so viele geeignete Pflegedienste, die Interesse an diesen, doch wenig gewinnbringenden, Auftrag haben.

Ich denke, viele Menschen, auch Eltern von kranken Kindern, verstehen, dass durch die Inklusion und die wachsende Migration neue Belastungen für Lehrer entstanden sind, und dass dafür Lösungen gefunden werden müssen. Aber deswegen die schwierige Situation von kranken Kindern noch schwieriger zu machen, um durch die Verzweiflung der Eltern Druck auf die Schulbehörden aufzubauen, empfinde ich als falsch. Denn was denken Sie, was passiert, wenn eine Lehrkraft eine Einwilligung zur Hilfe, gemäss Ihrer Beratung, willkürlich zurückzieht. Dann stehen die Eltern mit dem Kind da wie die nassen Tröpfe.

Bringen Sie konstruktive Vorschläge ein, die allen Betroffenen, Kindern wie Lehrern, helfen, dann sind Sie auf den richtigen Weg.

Herzliche Grüße

Silke MauritiusBrief

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