Zucker, Xucker, Süßstoff und Co

Alles Zucker

Zucker- und Nicht-Zucker-Konsum, das ist für alle Eltern ein problematisches Thema. Für Zuckereltern erst Recht. Welcher Zucker ist eigentlich der beste?

Diabetes und Zuckerkonsum

Zucker gehört bei Diabetes einfach dazu, vor allem Traubenzucker, ohne den es schwer ist, aus einer tiefen Unterzuckerung zu kommen. Bei uns krümeln die weissen Klötzchen überall in der Wohnung herum. Keine Taschen ohne zerbröselte Traubenzuckerreste. Früher habe ich den Traubenzucker immer versteckt, damit er nicht weg genascht wird, das ist nicht mehr nötig. Er ist bei uns eher unbeliebt als Leckerei.

Traubenzucker

Der Favorit meiner Tochter in Sachen TZ  ist übrigens Schulstoff von Dextro. Auch wenn die Firma für dieses verführerische Produkt viel gescholten wurde, das Zeug schmeckt wenigstens nicht so ekelig. Die Firma Dextro verkauft Traubenzucker übrigens seit 1927, damals noch ein reines Apothekenprodukt. Glukose hat jede Menge „Umdrehungen“, sprich einen glykämischen Index (GI) von annähernd 100.

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Na was schon? Zucker

Abgesehen von TZ als Notversorgung versuche ich natürlich den Zuckerkonsum für meine Kinder und mich gering zu halten. Was nicht leicht ist. Schokolade, Limo und Co mögen wir natürlich auch. Es soll ja dem Mensch in den Genen liegen, dass er Süßes mag. Kein Wunder. Traubenzucker ist der Treibstoff des Gehirns. Von den in etwa 160 Gramm Glucose, die der gesamte Körper täglich benötigt, nimmt das (verfressene) Gehirn glatt 120 Gramm auf. Aber es ist bekannterweise bekömmlicher seinen Zuckerbedarf durch Dinge wie Vollkornbrot oder Kartoffeln zu sich zu nehmen. Der Körper schafft es nämlich, diese Mehrfachzucker alle in Glucose um zu wandeln. Aber ich gebe den Kampf gegen das Süße auf keinen Fall auf und predige den armen Kindern immer wieder, dass auch ein Yoghurt oder ein Saft ja schon eine Süßigkeit sein können.

Wieviel Zucker ist gesund?

Die Weltgesundheitsorganisation rät höchstens zehn Prozent der täglichen Kalorien in Form von Zucker zu sich zu nehmen. Wer es richtig gesund möchte, der futtert sogar lieber nur höchstens 25 Gramm Zucker pro Tag. Das ist echt verdammt wenig. Denn schließlich hat man mit einem Glas Apfelsaft diese Menge schon erreicht. Wenn ich meinen Kindern mit dieser 25 Gramm Regel komme, ernte ich selbstverständlich, genau wie bei der oben genannten Zuckerpredigt, keine Begeisterungsstürme.

Zuckerarten und Süßstoffe

Der klassische Zucker besteht aus Saccharose. Bei uns wird Haushaltszucker aus Zuckerrüben gewonnen. Diese Form von Zucker gibt es erst seit 1802, als es dem deutschen Naturwissenschaftler Franz Karl Achard gelang, aus Zuckerrüben Zucker zu gewinnen. Haushaltszucker aus Zuckerrohr besteht ebenfalls vollständig aus Saccharose. Der GI liegt bei 60.

Honig steht zwar seit der Steinzeit auf unseren Speiseplan, ist aber auch nichts weiter als Saccharose. Bis zum Siegeszug der Zuckerrübe als Quelle für Süße, war Honig in unseren Breiten das einzige Süßungsmittel. Der GI liegt bei 55.

Für unsere Diabetiker Kinder sind, aus Müttersicht, Süßungsmittel attraktiv, die den Blutzucker nicht so stark hochtreiben, oder die nicht berechnet werden müssen, was die Insulinmenge angeht. Fruchtzucker wäre so ein Stoff. Im Gegensatz zur Glucose, gelangt Fruktose nur sehr langsam vom Dünndarm ins Blut. Insulin ist für die Verarbeitung von Fructose im Körper nicht nötig. Hört sich gut an, aber Fruktose wird für allerlei gesundheitliche Probleme verantwortlich gemacht. Unter anderen verursacht sie eine Fettleber und diverse unerfreuliche Darmprobleme. Außerdem wird der Kuchen beim Backen mit Fruchtzucker immer so bräunlich. Wir haben so etwas nicht mehr im Haus.

Stevia fand ich 2011, als das Zeug auf den Markt kam, zunächst super. Süßen ohne Berechnung, hörte sich erst mal gut an. Aber das Zeug hat einen unangenehmen Nachgeschmack. Der Bestandteil, der die Süße in dem Produkt ausmacht, sind Steviolglycosiden. Berechnet wird für Stevia nichts. Ich kaufe es aber aus geschmacklichen Gründen nicht mehr.

Süßstoffe

Süße ohne Kohlenhydrate bieten Süßstoff, die aber seit den frühen 80ern in den Verdacht standen Blasenkrebs auszulösen. Nach einer Studie aus dem Jahr 2006 sollen Süßstoffe aber in moderaten Mengen verzehrt nicht schädlich sein. Gottseidank! Da schmeckt mir die Cola Zero doch noch besser, die übrigens auch erst seit 2006 auf dem Markt ist. Trotz dieser Entwarnung bin ich bei Süßstoff eher vorsichtig. Geschmacklich finde ich sie auch nicht so großartig, man kann ja auch nicht mit backen. Aber gegen ein zuckerfreies Limogetränk ab und an ist wohl nichts einzuwenden. Der vom Zuckerchemiker Constantin Fahlberg gefundene „Saccharin“ ist übrigens der älteste künstliche Süßstoff und seit 1885 erhältlich.

Zucker, die anders sein wollen

Die Süßungsmittel, die im Supermarkt im Bioregal stehen, spielen bei uns zu Hause nicht eine solche Rolle. Reissirup finde ich aber interessant, er besteht hauptsächlich aus Glucose, Maltose und Mehrfachzucker, enthält abergar  keine Fructose. Super für diejenigen, die Probleme mit Fructose haben. Agavendicksaft wird aus dem Saft mexikanischer Agaven gewonnen. Seine Süße erhält er aus einer Mischung von Fructose und Glucose. Leider ist der Fructoseanteil recht hoch und damit sind wir dann wieder bei den Problemchen, die Fructose auf Dauer machen kann. Der GI liegt bei 42. Wir verwenden ihn aber bei Rezepten aus dem Kochbuch von Attila Hildmann oder über Yoghurt. Und ich berechne ihn wie Honig.

Ahornsirup ist zwar lecker, aber ähnlich zusammengesetzt wie der gewöhnliche Haushaltszucker.  Kokosblütenzucker habe ich bisher nur im Bioregal bewundert. Er wird aus den Blüten der Kokospalme gewonnen und ist wegen dieser mühevollen Ernte sehr teuer. Auch dieser Zucker hat einen niedrigen GI von 35. Diese Sirupe müßten ebenfalls alle mitberechnet werden.

Beim Produkt Xucker auf der Basis von Xylit handelt sich um einen Zucker, der aus Holz gewonnen wird. Man ißt dann einen Baum. Eine ziemlich krasse Vorstellung. Chemisch gehört Xylit zu den mehrwertigen Zuckeralkoholen. Es karamellisiert erst über 200 Grad, man kann also mit ihm backen. Er schmeckt ganz passabel und nach Erfahrungsberichte anderer Diabetiker braucht er wirklich keinen oder nur kaum Insulin zum verstoffwechseln. Außerdem ist Xylit gut gegen Karies. Das Produkt Xucker light besteht aus Erythrit und soll ganz ohne Insulin gaben verstoffwechselt werden können. Er ist etwas teurer als der „normale“ Xucker, der bei 8,50 für 700 Gramm liegt.  Xylit und Erythrit sind bekömmlicher als viele andere mehrwertige Alkohole wie Sorbit, Mannit, Isomalt, Maltit oder Lactit, die bei größeren Mengen abführend und blähend wirken.

Zum 12. Geburtstag wünschen sich meine Kinder doch glatt eine Zuckerwattenmaschine, bin mal gespannt, ob ich aus Xucker dann auch Xuckerwatte herstellen kann. Egal, sonst gibt es eben doch wieder Zuckerwatte.

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