Yes she can!

Diabetes von 1 bis 11

Diabetes-Management, Uuah! Schon für die Großen kann es schwer sein, die ganzen Pflichten im Griff zu haben. Meine Tochter hat einen langen Weg zurückgelegt, bis sie so weit war, vieles, noch nicht alles, selbst zu regeln.

Unter zwei Jahre

Bei meinem Kind haben Ärzte die Diagnose Diabetes gestellt, als es 18 Monate alt war. Klar! Meine Tochter konnte nichts selbst! Das Diabetes-Management lag in meiner Hand. Wie auch anders. Unterzuckerwahrnehmung war bei ihr noch in weiter Ferne. Die Erzieherinnen in der Kita und ich haben teilweise jede Stunde gemessen. Die Werte schwankten heftig. Bloß nicht das Kind aus den Augen lassen! Ich habe in diesem Alter einfach nur funktioniert und alle persönlichen Bedürfnisse zurückgestellt.

Drei Jahre

Mit drei Jahren war es nicht viel anders, aber meine Tochter konnte auf Nachfrage erklären, dass sie sich nicht gut fühlte. Jedenfalls manchmal. Aber oft merkte sie selbst Unterzucker erst, wenn der Fuß zitterte. „Hast du Zitterfuss?“, das war unser Wort für Unterzucker. Übergroße Albernheit war auch ein Merkmal für niedrigen Blutzucker. Aber natürlich nicht immer. Mein Kind hatte in diesem Alter aber verstanden, dass es Diabetes hat, und dass es dieses ganze Brimborium ertragen muss.

Fünf Jahre

Mit fünf Jahren konnte meine Tochter allein messen. Logischerweise musste man ihr sagen wann, und ihr helfen, den Wert einzuordnen. Weil sie schon ein bisschen rechnen konnte, war sie in der Lage, Werte einigermaßen einzuschätzen. Zwei Zahlen auf dem Messgerät, das bedeutete auf jeden Fall ein Stück Traubenzucker essen. Wenn bei drei Zahlen die erste Zahl keine 1 war, wusste sie, dass der Blutzucker erhöht war.

Sechs Jahre

Mit sechs Jahren war die Unterzuckerwahrnehmung meiner Tochter immer noch schlecht. Sie hatte viele nächtliche Unterzuckerungen. Auch deswegen entschieden wir uns im Laufe der 1. Klasse für den Therapiewechsel zur Pumpe. Mein Tochter konnte in dem Alter das Blutzuckermessgerät und dann auch die Pumpe selbst bedienen. Ans Messen oder Bolus Abgeben musste man sie noch erinnern. Nach der Umstellung auf die Pumpe kam ein Pflegedienst, um die Lehrerin zu entlasten. Meine Tochter empfand die Begleitung als unterstützend.

Acht Jahre

Ab der 3. Klassen wäre der Pflegedienst nicht mehr notwendig gewesen. Aber die Schulleitung und die neue Lehrerin hatten wohl Angst und wollten so wenig zusätzliche Verantwortung wie nötig. Die Unterzuckerwahrnehmung wurde besser. Als dann der Pflegedienst verkauft wurde und alle Mitarbeiter kündigten, kamen Pflegekräfte, die meine Tochter nicht leiden konnte. Sie waren unpünktlich und rochen nach Zigarettenrauch. Würg. In der vierten Klasse bestellten wir den Dienst nach Rücksprache mit dem Arzt ab.

Neun Jahre

Mit neun war meine Tochter weitestgehend sicher im Umgang mit ihren Diabetes-Pflichten.

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Mit 10 ist man schon verdammt gross.

Allerdings musste man sie immer wieder mal dran erinnern, vor allem, wenn der Tagesablauf durcheinander geriet. Meine Tochter wollte auf keinen Fall den Katheter am Bauch tragen. Das wäre aber notwendig gewesen, um sich ihn selbst zu setzen. Wir wechselten von Teflon zu Stahl. Schon im Sommer vor der 5. Klasse, sie war fast 10, hat mein Kind sich dann doch getraut, den Katheter selbst zu legen, am Bauch.

Elf Jahre

An strukturierten Schultagen bekommt meine Tochter ihr Diabetes-Management allein hin. Ab und an vergisst sie mal was. An unstrukturierten Tagen braucht sie etwas mehr Erinnerung. Spät und nachts messe ich. Wir gehen die Werte durch, wenn es Pannen gibt, und machen eine Fehleranalyse. Aber meine Tochter kann immer noch keine Pen bedienen oder sich mit einer Einmalspritze Insulin abgeben.

Wenn ich jetzt auf die letzten 10 Jahre zurückblicke, merke ich, dass ich vieles verdrängt habe und mich nur mühsam erinnern konnte. Man ist wahrscheinlich froh, wenn der Mist vorbei ist. Selbstverständlich kommen andere früher und andere später zu der Selbstständigkeit, die meine Tochter jetzt erreicht hat. Da gibt es keine für alle gültige Regel. Aber irgendwann funktioniert es bei jedem. Aber auf den Weg zur Selbstständigkeit brauchen Diabetes Kinder viel Hilfe, auch eben in Schule und Kita.

Klar, wir haben jetzt andere Problemchen. Es macht auch keinen Spaß alle zwei Tage auf den Katheterwechsel zu drängen. Aber auch wenn uns die Pubertät noch einigen Stress bringen wird, ich habe mehr als die Hälfte der Zeit schon rum!

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