Das andere Kind – wie umgehen mit Geschwistern

Zwillinge und nur eine Tochter mit Diabetes

Wenn meine Kinder schlafen und ich nachts noch mal nach dem Blutzucker meiner Tochter schaue, dann werfe ich auch jedes Mal ein Blick auf die Zwillingsschwester, die ja gesund ist. Wenigstens ihre Bettdecke will ich gerade rücken, damit sie nicht friert. Sie braucht ja meine Hilfe nachts nicht.

Meine Kinder sind Zwillinge, aber vollkommen unterschiedliche Menschenkinder. Beides Mädchen, eines mit Diabetes eines ohne. Wie geht es meinem Kind mit der Erkrankung ihrer Schwester? Muss ich ein schlechtes Gewissen haben, dass es jahrelang immer wieder um den Diabetes ihrer Schwester ging? Was kann ich ändern?

Was macht die Erkrankung der Schwester mit dem gesunden Zwilling?

Dieses Diabetes-freie Kind ist ein wunderbares Kind. Es ist die Freundlichkeit in Person. Es strahlt einem freudig an, ist liebevoll und anhänglich. Sie ist nicht eifersüchtig, nicht aggressiv, sie arbeitet für die Schule, hat Freundinnen, ist tierlieb und verzichtet freiwillig auf ein zu viel an Süßigkeiten.

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Doppelt macht glücklich!

 

Wäre sie anders ohne den Diabetes ihrer Schwester? Wäre sie rebellischer, nicht so fröhlich, wilder, egoistischer, nicht so harmoniebedürftig? Es war nicht leicht auszuhalten, dass ich meine Aufmerksamkeit notgedrungen mehr auf ihre Schwester konzentrieren musste. Klar, man versucht es auszugleichen, aber schwierig, wenn man alleinerziehend ist, ist ja meist kein anderer da, der etwas auffängt. Ich habe das zweite Kind immer benachteiligt, das ist mir klar. Wie war es für sie, als beide noch klein waren und alles sich im Alltag darum drehte, den Blutzucker unserer kleinen Diabetikerin im Schach zu halten.

Ist meine Tochter deswegen so perfekt, weil sie gefallen und funktionieren will? Will sie es mir leicht machen? Oder ist sie einfach so? Bevor ihre Schwester erkrankte, war sie ja auch das unkomplizierte Kind, warum soll sich da was geändert haben. Und wie geht es meiner Tochter mit dem Diabetes? Ist sie neidisch, oder wütend darüber, dass sie krank ist und alle anderen nicht? Ich glaube manchmal schon, aber das geht viel tiefer. Auch ihr kann ich das Schicksal letztendlich nicht abnehmen.

Die Erkrankung ist auch eine Chance

Was wir versuchen, ist die Erkrankung irgendwie in unseren Alltag einzubauen, ein zusätzliches Aufgabenfeld, mehr nicht. Sie schweißt uns drei auch zusammen. Ich neige nicht gerade zur Geduld, das fällt mir schwer, aber ich habe mir beigebracht, wenn was entgleist, erst mal zu sagen: „Das kriegen wir schon wieder hin“, dann forschen wir nach den Ursachen. Ein bisschen mehr Gelassenheit habe ich dadurch gelernt. Einfach mal das hin nehmen, was schief läuft. Klappt nicht immer, aber immer öfter.

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