Diabetestagebuch, muss man das?

Blutzuckertagebücher sind für Kinder ein Problem

Vor einigen Tagen flammte in meiner Lieblings-Diabetes-Facebook-Gruppe wieder die Diskussion auf, ob man regelmäßig ein Tagebuch führen sollte. Besonders unbeliebt sind solche Tätigkeiten ja bei Teenagern, die besseres zu tun haben, als über ihre Essgewohnheiten Protokoll zu führen. Eltern verzweifeln an der Pflicht, ihren süßen Kids zum Führen eines solchen Tagebuchs zu drängen.

Die Frage nach einem Tagebuch ist mir unangenehm – bei jedem Termin

Bei jedem Kliniktermin fragt mich die Ärztin nach einem Tagebuch. Aber wir führen keins. Es ist sowieso schon alles so beschwerlich, und dann noch ein Tagebuch! Ich bin froh, dass meine 11-Jährige überhaupt mit ihrer Erkrankung irgendwie klar kommt. Einmal haben wir es auf Wunsch der Ärztin versucht, um Schwankungen zu erklären. Mein Kind wollte es selbst hinbekommen, aber das gab nur Tränen, es war einfach zu viel. Wir haben es dann gelassen.

Wechsel zur Pumpentherapie erlöste uns vom Tagebuch

Als wir noch händisch spritzten, führten wir allerdings ein Tagebuch. Die Erzieher in der Kita haben es auch irgendwie hinbekommen. Ich habe aber auch kein Heftchen mitgegeben, sondern eine Art selbst gestalteten „Ankreuzbogen“, in dem sie nur abhaken mussten, ob meine Tochter die für die damalige Therapie notwendigen Portionen gefuttert hatte. Aber in der Schule war das dann vorbei. Nach Ansicht der Schulleitung sollte meine Tochter mit sechs möglichst alles alleine regeln.

Die erste Klasse endete für mich nach wenigen Wochen des Mobbings durch die Schule in Verzweiflung. Wir zogen die Reißleine und wechselten die Klinik, um dann eine Pumpentherapie zu beginnen. Die Krankenkassen wollte selbstverständlich Tagebücher sehen. Ich habe hier und da gehört, dass es Eltern gibt, die diese Tagebücher für einen solchen Antrag nachträglich erstellt haben.

Bolusrechner und schlechtes Gewissen

Seitdem haben wir kein Tagebuch mehr freiwillig angefasst. Der Bolusrechner, den meine Tochter meist nutzt, speichert die Portionsgrößen. Mir reicht das. Irgendwas sagt mir innerlich, dass es gut ist, nicht so viel Aufregung um diese Erkrankung zu machen. Trotzdem fragt die Klinik jedes Mal nach einem Tagebuch. Und da ist es dann wieder dieses schlechte Gefühl, eine verantwortungslose Zuckermutter zu sein. Jemand, der es nicht perfekt hin bekommt. Jemand, der nachlässig ist. Wenn dann der Langzeitwert noch über 7,0 liegt, steigert sich dieses Gefühl, eine Rabenmutter zu sein. Hätte ich strenger, genauer und zuverlässiger sein sollen?

Kompromisse machen lernen

Sicher nicht, unser Leben ist sowieso einiger Leichtigkeit geraubt. Alles, was meine Tochter und ich machen, um den Diabetes zu bändigen, hat auch mit der Bereitschaft zu tun, Kompromisse einzugehen. Und das ist eine gar nicht mal so schlechte Erfahrungen, es geht auch weiter, ohne das man alles perfekt macht.

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