Müdigkeit, Insulinanpassung und Zuckermutters berufliches Überleben

Gerade bin ich am Nachmittag fast eingeschlafen. Passiert mir selten, meistens reiß ich mich zusammen und halt mich mit Kaffee wach. Aber ich bin heute doch so wahnsinnig müde. Die Nacht war kurz. Klar warum! Ich bin wieder um 3.00 Uhr Nachts aufgestanden, damit ich den hohen Blutzucker meiner Tochter in den Griff bekomme. Andere Zuckermütter kennen das.

Der oft unberechenbare Blutzucker unserer Kinder raubt uns Eltern den Schlaf. Auch viele Eltern mit gesunden Kindern stehen ja nachts auf, weil das Kind schreit, es Hunger oder Pippi in der Windel hat. Aber meist beschränkt sich dieser Schlafentzug auf die ersten Lebensjahre.

Bei uns Zuckermuttis (und Zuckerpapis) zieht es sich weiter. In jeder neuen Entwicklungsphase erhöht sich der Insulinbedarf. Immer wieder muss neu justiert werden. Unsere Kinder wachsen, Zack, überzuckern sie in der Nacht, weil ihre Wachstumshormone alles durcheinander wirbeln. Wenn wir dann die Werte erhöht haben, ist die Wachstumsphase womöglich wieder vorbei und Zack, Unterzucker! Und wir schrauben die Werte wieder etwas  runter. Dieses Hin- und Hergeschraube der Werte begleitet uns und unsere Kinder bis in die Pubertät.

Gefühlt hinke ich immer hinter den neusten Blutzucker-Entwicklung her, wir erhöhen die Insulingaben alle paar Wochen, spätestens beim nächsten Diadoc-Termin. Am Anfang, mit 18 Monaten, bekam meine Tochter 1-2 Einheiten Insulin am Tag, jetzt mit 11 Jahren sind es schon an die 30 Einheiten.

In den ersten Jahren bin ich fast jede Nacht aufgestanden, zu unberechenbar der Blutzuckerverlauf. Ich war immer in Angst das Kind könnte überraschend unterzuckern und in einen Krampfanfall verfallen. Ich habe im Kinderzimmer neben ihrem Bett geschlafen, oder mit offenen Türen. Beim kleinsten Mucks war ich wach.

Zur Zeit sind mir das nächtliche Messen und die Müdigkeit egal, ich kann mich ausruhen. Vor ein paar Wochen ist mein letzter Arbeitsvertrag ausgelaufen. War vielleicht gut so. Nicht, dass mir der Job nicht gefallen hat. Als alleinerziehende Mutter werden einen die Topjobs ja nicht nachgeworfen. Meistens bekomme ich Arbeit, wenn dringend Personal für ein bestimmtes Projekt  gesucht wird. Wenn sich der Personalmangel entspannt und viele nette, schnelle, pfiffige Kollegen um die 30 ohne alleinige Erziehungsverantwortung für 2 Kinder nachrücken, rotiere ich meistens irgendwann wieder raus.

Schon kurz vor der Geburt meiner Zwillinge war mein damaliger Vertrag abgelaufen. Knapp 10 Monate nach ihrer Geburt nahm ich den ersten Job an, der sich mir anbot. Die Konditionen waren schlecht. Aber ich war froh überhaupt wieder im meinem Beruf zu arbeiten. Seitdem habe ich 10 Jahre lang jedes Projekt angenommen, das sich bot. Gleichgültig ob es mir lag, oder ob es mir persönlich zusagte. Hauptsache irgendwie im Beruf bleiben und über die Runden kommen, dachte ich. Die Erkrankung meiner Tochter und die Tatsache, dass ich das Leben meiner Familie schon lange ganz allein reguliere, schwächten meine Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt zusätzlich.

10 Jahre befristete Verträge sind genug, ich will endlich was finden, wo ich mich sicher fühle. Das wird sicher nicht leicht und wird Kraft kosten. Deswegen habe ich es jetzt gewagt, mir für die Suche nach einem neuen Job Zeit zu lassen. Ich habe mich durchgerungen, endlich einen Job zu suchen, der verbindlicher ist als 3 Monate und die schale Hoffnung auf Verlängerung.

Der Grund, warum ich das jetzt wage, ist der Tatsache geschuldet, dass sich meine Tochter endlich weitestgehend tagsüber selbst betreuen kann. Außerdem lassen die schlaflosen Nächte im Durchschnitt etwas nach. Mittelfristig werde ich wohl wieder etwas wacher und leistungsstärker werden, gut für einen Neuanfang in einer neuen Tätigkeit, denn das wird erst Mal anstrengend! Wünscht mir Glück!

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