Über Frust und die sorglosen Gesundheitsverschwender

10 Jahre Diabetes-Kind

Echt! Es gab tausend Momente, in denen ich mit dieser Kacksituation haderte! Ich fühlte mich oft zum Kotzen, warum muss mein Kind mit dieser Bürde leben? Regelmäßig könnte ich den Typ, der vorgibt Gott, Allah, der Allmächtige oder sonst was zu sein, in den Hintern treten, wenn es ihn dann gäbe. Das Schicksal ist einfach unfair. Was sollte diese Scheiße?!

Nervig ist nicht der Diabetes sondern das drumherum

Diese Wut hat sich in den letzten Jahren natürlich gelegt, aber manchmal kocht sie noch hoch.

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Ungefähr so fühlt sich mein Frust manchmal an.

Besonders, wenn man mit seinem süßen Kind in Schule oder anderen Institutionen auf unberechtigte Widerstände stößt. Besonders schlimm war es, als uns die Grundschule gepiesackt hat. Zunächst gab sich die Schulleitung bei der Anmeldung großzügig und hilfsbereit. Als dann aber klar wurde, dass die Betreuung meiner Tochter auch Arbeit, Unannehmlichkeiten und ein mehr an Verantwortung bedeutete, war es mit der Hilfsbereitschaft schnell vorbei.

Es gibt sogar Schulen, die die Beschulung des Diabeteskindes ganz verweigern, oder Kinder werden aus der Nachmittagsbetreuung geekelt, weil sich keiner bereit erklärt, das Mittagessen zu portionieren. Erscheint dann ein Elternteil in der Mittagspause, um zu helfen, wird dies verboten. Oder das Kind soll im Klo spritzen oder dafür einen weit entfernt liegenden Gebäudeteil aufsuchen. Es gibt Fälle, da wird mit dem Verweis auf das Diabetes-Kind die Klassenfahrt abgesagt. Dabei hatte sich die betroffene Schule nicht um eine Regelung für die Betreuung gekümmert und weigerte sich beharrlich, die Hilfe anbietenden Eltern einfach mitzunehmen. Andere Kinder werden angemeckert, weil die Blutzuckermessungen zu lange dauern oder stören. Und ich habe auch schon mal gehört, dass eine unterzuckerte Schülerin ohne Begleitung raus geschickt wurde, weil es nicht erlaubt sei im Klassenraum etwas zu essen!

Inklusion in Sachen Diabetes und Schule ist noch nicht gelungen

Die Facebook-Gruppen sind voll dieser Geschichten. Jedes mal, wenn ich so etwas wieder lese wie „mein Kind darf wegen dem Diabetes nicht mit zum Ausflug“, kommt bei mir wieder die Galle hoch. Trotz Inklusionsgesetz haben es die meisten Bundesländer immer noch nicht geschafft, wirklich tragbare Konzepte für Diabetiker-Grundschulkinder zu schaffen. Bei uns in NRW gibt es auch keine verbindliche Regelungen. Alles muss mühsam in Einzelfalllösungen ausgehandelt werden. Das dauert, zehrt an den Nerven der Eltern und ist von den Launen und Einstellungen der jeweiligen Lehrer abhängig.

Wegen des Verhaltens der Grundschule meiner Tochter habe ich nächtelang nicht schlafen können, und mit einem Diabeteskind leidet man als alleinerziehende Mutter sowieso an akuten Schlafmangel. Ich war um alles froh, was mein Kind alleine regeln konnte. Jetzt in der 6. Klasse braucht sie keine Hilfen mehr, nun warten wir allerdings schon fast 2 Monate auf eine Klärung darüber, wie verfahren wird, falls meine Tochter während einer Klassenarbeit unterzuckert. Nachteilsausgleich nennt sich so etwas.

Mich nerven Leute, die ihre Gesundheit verfeuern

Ein anderer Anlass, der großen Frust in mir lostritt, sind Menschen, die alles tun, um ihre Gesundheit zu ruinieren, während ich versuche den Gesundheitsstatus meiner Tochter so gut wie möglich zu halten. Unerträglich sind mir Leute, die systematisch ihre körperliche Unversehrtheit zerstören, indem sie sich ständig besaufen, ihren Frust mit Tabletten betäuben oder sich eine Kippe nach der anderen rein pfeifen.

Ratschläge sind auch Schläge

Auch das Gerede von Eltern eigentlich gesunder Kinder über und minimale Gesundheitsstörungen ihrer Brütlinge, die zur bedrohlichen Krise hochstilisiert werden, regt mich auf. Noch schlimmer sind aber die, die mir gute Ratschläge geben, wie ich mein Kind mit Diabetes ernähren soll, oder mir vorschwärmen, Zimt könnte doch glatt den Blutzucker senken. Von den Muttis, die ihre Kinder in Todesangst vor Lebensmittel versetzen, die nicht bio sind, will ich hier jetzt lieber nicht schreiben.

Versuch mich nicht mehr aufzuregen

Wir hätten gern eine paar Problemchen weniger, aber das geht ja nun nicht. Wenigstens habe ich eins gelernt, Lebensqualität hat nicht nur mit perfekter Gesundheit zu tun, jeder Tag kann schön sein und eine Krankheit ist eine Herausforderung, die einen stark machen kann.

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